• Johanna Pardo

Über meine Bühnen-Angst und mein Papa...



Obwohl ich sehr tief in mir fühle, dass mein Platz auf der Bühne ist, habe ich gleichzeitig eine unfassbare Angst davor. Schon etliche Male ist mir auf offener Bühne einfach die Luft weg geblieben und meine Stimme wurde zittrig und unsicher. Das Ergebnis war oft, dass meine Message nicht ankam und ich noch mehr Angst hatte, vor dem nächsten Mal. Was‘n scheiß! Klar ich könnte es auch einfach lassen, ist ja auch anstrengend, sich dem immer wieder zu stellen – doch die Option geht für mich gar nicht.

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich intensiv mit dieser Angst und habe so viel darüber gelernt. Z.B., dass ich vor Aufregung schlichtweg AUFHÖRE zu atmen, dadurch nicht genügend Sauerstoff einnehme und mir dann im entschiedenen Moment die Puste ausgeht. Deswegen jetzt vor jedem Auftritt die Atemübungen, in denen ich sehr intensiv und bewusst viel Sauerstoff einnehme.

Doch das letzten Freitag, auf dem Sisterhood-Wochenende, das war besonders.




Es war der Startschuss. Der Startschuss zu all dem was mit der Heldenhebamme kommen wird. Mein Business. Endlich. Ein Business zu dem ich zu 1000% stehen kann und das mich so sehr erfüllt und glücklich macht, dass ich ganz still dabei werde. Es fordert und fördert mich jeden Tag. Ich kann nicht über etwas schreiben oder sprechen und es selbst nicht leben. Es ermahnt mich dran zu bleiben, natürlich für mich, aber auch für dich. Es war das erste Mal, dass ich 90 Minuten Zeit hatte, um zu meinem Lieblingsthema zu sprechen. Es war mir wichtig, dass jedes Wort sitzt und ich es schaffe, das Herz meiner Teilnehmerinnen in 90 Minuten zu erreichen. Allein der Gedanke daran, wie wichtig mir dieser Auftritt war, löste solche Herzklopfen in mir aus, dass ich nicht wusste, wie das in ein paar Stunden gut gehen sollte.




Am Nachmittag, so ca. 2 Stunden vor dem Auftritt, löste ich mich von unserer Gruppe und ging für einen Moment in den Wald. An einem gewissen Punkt angekommen kniete ich nieder, griff mit meiner Hand in den nackten Waldboden und betete inbrünstig: „Bitte, lass mich dein Werkzeug sein, lass mich die richtigen Worte finden die jetzt nötig sind, um unsere Herzen zu erreichen und mögen wir unseren inneren Krieg beenden und uns als Wesen GANZ akzeptieren. Bitte lass mich dein Werkzeug sein.“

Mein verstorbener Vater erscheint vor meinem inneren Geiste und ich fühle seine Stärke in meinem Rücken. Eine tiefe Verbundenheit die ich nicht aus unserer gemeinsamen Zeit hier auf Erden kenne. Wie eine Staffelübergabe. Ich höre seine Worte kurz vor seinem Ableben und dass er stolz ist, wie ich meinen Weg gehe. Dass er da ist. An meiner Seite. Dass es jetzt Zeit ist, aufzustehen und diesen, meinen Weg, endlich auch praktisch zu gehen. Die Zeit der Theorie ist vorbei.




Als ich wieder ins Haus kam und im Bad im Spiegel schaute, schaute ich in die Augen einer Frau, die müde ist. Die letzten Wochen waren heftig. Kaum mehr als 4 Stunden täglich geschlafen – so viele Prozesse mit mir und anderen erlebt und durchlebt. Grenzen gefühlt und gelernt noch größer und tiefer zu fühlen.


Und ich schaue weiter in den Spiegel, ich schaue tiefer und ich sehe die Wut, die Wut über all die vergangenen Chancen und die tausenden an Situationen in denen ich mich wieder und wieder selbst verraten hatte und ich schaue noch tiefer und ich sehe die Traurigkeit, die Traurigkeit über die immer wehrenden Selbstzweifel und diese ständigen inneren Dialoge, ob es wirklich ausreicht, was ich tue oder ob ich nicht noch mehr tun könnte/müsste.





Dann diese Ohnmacht, dass es doch Scheiss egal ist, wie viel ich tue oder nicht tue, solange ich IN mir, nicht den Frieden finde. Den Frieden MIT mir. Mit all dem was ich bin und nicht bin. Mit all meinem Menschsein. Mit meinen Süchten und Sehnsüchten. Mit meinen Fragen und sinnlosen Gedankenkarusselle. Mit meiner Angst und meiner unterschwelligen Aggression. Mit all meinem Licht und genauso mit all meiner Dunkelheit.

Tränen kullerten über meine Wangen.


Mein Vater immer noch in meinem Rücken.


Wie lange will ich dieses Selbstzweifel-Spiel noch mitspielen? Wie lange möchte ich meine Angst dafür benutzen, mich nicht vollkommen hinein zu schmeißen? Kommt meine Bühnen-Angst daher, weil ich mich in dem Punkt einfach zu wichtig nehme?


Es geht nicht um mich. Es geht volle Kanne um uns. Es geht nicht darum das ICH etwas abliefern muss, dass ich dir zeigen kann, wie weit und schlau ich doch schon bin, sondern dass ich dir vollkommen auf Augenhöhe begegne. Dass ich dir von meinen Nöten und Ängsten erzählen kann und was ich jeden Tag versuche zu tun, um es ein Stück besser zu machen als gestern. That’s it.

Ich fühlte durch meine Beine die Wurzeln meiner Heimat fließen und das wärmende Licht meines Zuhauses. Und plötzlich war der größte Teil meines Lampenfiebers verschwunden. Mein Herz wurde ganz ruhig.


Jetzt war ich bereit das Werkzeug zu sein, für das ich vorbestimmt bin.




Und ich lief mit entschlossenem Schritt und ruhend auf das Gelände, stellte die Boxen auf "on" und machte Lisa Gerrard „Sacrifice“ an. Als die ersten Töne erklangen, legte sich ein Schleier über das Gelände und schon vor Beginn des Workshops war eine magische Stimmung auf der Wiese.


Die Sonne ging langsam unter, die Fackel um uns herum begannen zu brennen und nach und nach füllte sich der Platz vor mir, mit ca. 50 Frauen, die sich auf Decken und Matten Platz machten und begannen mir zu lauschen. Ganze 80 Minuten. Es wurden keine Eier nach mir geworfen und niemand ist frühzeitig aufgestanden und gegangen. Ganz im Gegenteil.

Und tatsächlich, ich war in einem angenehmen Maße aufgeregt, hatte Respekt, aber es hat mir nicht meine Stimme geraubt. Ich konnte einfach nur DA sein, mit all dem was ich in mir trage und was mich bewegt. Es fühlte sich leicht an, vertraut und einfach normal. Es war eine unglaublich schöne Erfahrung. Einfach ohne Worte. Danach wollte ich am liebsten gar nicht mehr viel sprechen, um diesen sehr besonderen Moment in mir zu konservieren.




Mein Vater blieb das ganze Wochenende sehr nah bei mir. Oh man. Ich wollte ganz in und an ihm sein und ihm lauschen – so nah hatte ich ihn seit seinem Versterben vor 2 Jahren nicht gefühlt. Wir beerdigten ihn am Freitag, den 22.06.2018 und am Samstag den 23.06.2018, hatte ich auf genau diesem Event, einen Auftritt. Ich war noch vollkommen durch den Wind von der Beerdigung – aber: Versprochen, ist Versprochen - doch länger als 20 Minuten ging der Auftritt nicht. Und jetzt.. 2 Jahre später, an dem selben Ort, ist mein Vater derjenige, der wieder so präsent ist.

Es war erhebend, kraftgebend, einfach so wunderschön. Wie sehr habe ich immer gegen ihn gekämpft – jetzt, hier, können wir uns endlich begegnen, fernab von richtig und falsch – fernab von religiösen Konzepten und Bedingungen. Endlich. Dieser Ort in uns, in dem es kein richtig und falsch mehr gibt. Dort, wo wir einfach nur sein können.


Herz an Herz.

Wow.




Und ja, in all dieser Kraft und in diesem Aufstehen, in diesem inneren Aufbruch, auch durch den Auftritt, fühlte ich ungebremst gleichzeitig den kollektiven Schmerz, den wir alle gemeinsam haben. Dieser Schmerz den auch mein Vater sein gesamtes Leben begleitet hat. Dieser Schmerz der auch mich manchmal zerfrisst und so lähmt, dass es scheinbar kein vor und kein zurück mehr gibt. Dieser Schmerz der Selbstzweifel – des nicht gut sein – des nicht genug sein. Dieser kollektive Geistesvirus von dem wir alle ausnahmslos befallen sind.

Es ist egal mit wem ich spreche, welche Kindheit oder soziales Umfeld dieser Mensch erlebt hat, in diesem Punkt sind wir gleich. Wenn ich an meinen Vater denke, so weiß ich, dass seine Selbstzweifel, sein größter Sabboteur war und es ist auch meiner.

Ich glaube sie sind Teil unseres Menschseins. Sie gehören genauso dazu, wie unsere Wut, unser Zorn, unser Geiz und all die Anteile in uns, die wir lieber weghaben wollen, statt sie mit vollem Herzen zu umarmen. Hier und jetzt geht es nicht mehr darum, diese Zweifel weg zu machen, sondern sie bis zum Ende zu fühlen und willkommen zu heißen.

Da wo Zweifel sind, da ist auch Vertrauen. Das Eine kann nicht ohne das Andere sein. Die Frage ist, ob ich bereit bin, diese Zweifel so zu umarmen, dass mein Selbstvertrauen wieder zum Vorschein kommen kann, denn in dem Moment wo ich meine Zweifel wegdrücke und weg rationalisiere, drücke ich im gleichen Atemzug auch mein Selbstvertrauen weg.

Dieser Moment vor dem Spiegel im Bad – mein Blick in meine Augen und all das was ich mir selbst in diesem Blick erzählt habe, gab mir das Geschenk, diese Zweifel einmal durch zu fühlen und zu checken, dass darunter Wut liegt und darunter liegt Traurigkeit und Ohnmacht. Durch das Fühlen all dieser Emotionen, kam die Kraft und Entschlossenheit, das Vertrauen in mir selbst wieder.


Ein so intensiver Prozess der mich noch einen Moment begleiten wird.



Was ich dir mit dieser Geschichte erzählen möchte?


Wir brauchen nicht zu glauben, dass diese Zweifel irgendwann wie von Geisterhand verschwunden sein werden, oder hoffen, dass, wenn wir einen gewissen Entwicklungsstand haben, dass sie dann nie wieder kommen. Sie sind Teil unseres Menschseins. Sie gehören zu uns. Sie sind gut. Sie helfen uns, tiefer zu fühlen. Sie holen uns wieder auf die Erde. Sie machen uns demütig. Sie erinnern uns, an unsere irdische Erfahrung. Sie ermuntern uns, nach dem MEHR in uns zu greifen. Sie sind unsere Freunde.


Lasss dich nicht von deinen Selbstzweifel sabbotieren. Nimm sie an die Hand und geh deinen Weg, der dir vorbestimmt ist. Fühle, was sie dir sagen wollen. Korrigiere, ohne Reue, wenn du "Fehler" machst. Justiere, werde klarer, entschlossener, sorge für dich, such nach Lösungen, nach Antworten, wenn du gerade nicht weißt, was der nächste Schritt sein sollte.. aber bleib dir treu, bleib nicht all zu lange stehen.. verharre nicht in unschönen Situationen, weil es eben so ist, oder weil du dir nicht zutraust, dass du es schaffst, da raus zu kommen.


Du brauchst nicht alles selbst zu wissen und zu können, aber NUR DU kannst dafür aufstehen und die richtigen Fragen stellen, die nach einer Lösung suchen.


Die Antworten werden zu dir kommen.


Versprochen.


<3


Deine Heldenhebamme






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