• Johanna Pardo

Eine Biene hätte auch Depressionen, wenn sie sich für eine Wespe halten würde..

Wenn ich an meine dunklen Phasen in meinem Leben zurück denke, dann sind sie meistens dadurch entstanden, dass in mir ein tiefes Gefühl von "irgendwie nicht okay sein" schlummerte. Ich hatte für fast alles definierte Bilder, wie etwas zu sein hat, damit es gut ist. Für meinen Job, Chef, für meine Beziehung, Freunde und natürlich auch für mich. Besonders das Bild über mich selbst, wie ich zu sein habe, damit ich gut bin, glich einem Porträt aus einem Glanzmagazin.


Aus all den vielen Erfahrungen meines Lebens, bzw. aus meinen Interpretationen dieser Erfahrungen, die einem bunten Mix aus Emotionen, Verhaltensweisen, Rückmeldungen von Menschen, Empfindungen und Blicke in den Spiegel, bestanden, entwickelte sich im Laufe meines Erwachsenlebens, mein Selbstbild. Das bin ich.


Vielleicht hast du schon mal von Anderen gehört, wie du auf sie wirkst? Wie sie dich wahrnehmen und empfinden? Wie sehr passen diese Meinungen, mit deiner eigenen Meinung über dich zusammen? Bis vor einigen Jahren, passten diese zwei Meinungen, also meine und die von meinem Gegenüber selten zusammen. Was stimmt denn nun? Bin ich einfach eine gute Schauspielerin gewesen und alle meine Begegnungen hatten eine verquere Wahrnehmung über mich?


Ist mein persönliches Selbstbild vielmehr lediglich eine Meinung, statt ein Fakt? Und könnten meine dunklen Phasen im Leben (auch) damit zu tun haben, dass ich ein falsches Selbstbild von mir habe, das nicht wahr ist?


Meinungen können sich ändern, findest du nicht?

Und was würde passieren, wenn du deine Meinung änderst?



Wer bist du denn nun?


Weißt du es?


Für mich ist die Antwort mittlerweile ganz klar. Ich habe absolut keinen blassen Schimmer wer ich wirklich bin und heute kann ich sagen: Das fühlt sich wunderbar an.


Wenn ich die Zeit habe, in unsere Natur einzutauchen, atemberaubende Landschaften entdecke und vollkommen still werde, weil mich die perfekte Unvollkommenheit unseres Planeten den Atem raubt, dann verstehe ich ansatzweise, wie unendlich groß und vielfältig unser Universum ist. Ich weiß nicht woran du glaubst, aber ich glaube daran, dass ich ein Teil dessen bin. Ich glaube daran, dass all das was ich in dieser unfassbaren Natur wahrnehme und entdecke, ein Teil von mir ist und ich unwillkürlich mit all dem verbunden bin.


Nun, wie kann ich jetzt ein Teil dessen und gleichzeitig nicht selbst unendlich sein?


Wir alle wissen, dass wir nur einen Minibruch-Teil unseres Gehirns nutzen. Vielleicht so maximal 10%. 11 Millionen Bits an Informationen prasseln pro Sekunde auf unser Gehirn ein. Tatsächlich nehmen wir davon nur 40 Bits bewusst wahr. Alles anderen blendet unser Gehirn zum Schutz aus, bzw. speichert es in unserem Unterbewusstsein ab.


Auf dieser "unerschütterlichen Faktenlage", hat sich nun mein Selbstbild entwickelt und ich habe mir wirklich geglaubt, bzw. unermüdlich nach Antworten gesucht, wer ich nun sei? Wie kann ich mit diesen 40 Bits, die ich wahrnehme, wirklich glauben, jemals DIE Wahrheit über mich zu entdecken? Es ist und wird immer nur ein sehr kleines Furzpartikelchen sein. Die Empfindungen meines Gegenübers, spiegelten seine 40 Bits wider und sind nicht falsch, sondern vielmehr eine Ergänzung zu meinen 40 Bits. Immerhin, gemeinsam hatten wir zumindest ca. 80 Bits .


Die Unendlichkeit können wir nicht in eine Form pressen, kategorisieren und sagen: Das bin ich. Ich kann sagen, wofür ich stehe, oder wofür mein Herz schneller schlägt. Ich kann sagen, was mich berührt und auch was mich traurig macht. Aber all das, bin ich nicht. Es ist nicht meine Identität. Es sind "nur" Erfahrungen.


Wir sind Unendlichkeit. Bunt. Wild. Einzigartig. Individuell. So wie alle Wesen unserer Natur, fügen wir uns, genau in diesem einzigartigen Ausdruck unseres Seins, vollkommen, unvollkommen, in das ein, was aus uns dieses atemberaubend schöne Bild unseres Universums darstellt.


Verständlich, dass wir Depressionen und Burnouts bekommen, wenn wir uns für so klein halten, dass es in eine Schublade passt.


Immer für dich da!


Johanna